Philosophisches…

… „Viele Menschen sind der Meinung, daß wir Katzen falsch seien.“, sagte meine geliebte Mieze Smokey eines Abends. Sie hatte es sich auf meinem Schoß bequem gemacht, und wir führten schon seit einer geraumen Weile ein sehr philosophisches Gespräch über Gott und die Welt. „Dabei ist das in keinster Weise richtig.“, sinnierte meine vierbeinige Freundin weiter, „Ihr seid nur oft genug nicht gewillt, oder daran interessiert, unsere Sprache zu verstehen.“ – „Wie ist denn mein Kätzisch so?“, fragte ich neugierig. Sie wandte mir ihr reizendes Gesichtchen zu und schmunzelte. „Gar nicht mal übel – ist ja auch kein Wunder, bei der guten Lehrerin.“ Sie erhob sich, zwinkerte mir verschmitzt zu, machte voller Genuß und Hingabe einen Katzenbuckel, gähnte, und sprang geschmeidig zu Boden. Ich seufzte, griff nach dem Buch, welches ich vor einigen Tagen zu lesen begonnen hatte, und vertiefte mich darin…

… Eine Weile später konnte ich mich nicht mehr so recht konzentrieren, mir war, als würde ich beobachtet. Ich hob den Kopf – und richtig, Smokey ruhte mit untergeschlagenen Vorderpfoten auf der Couch-Lehne und musterte mich eindringlich aus ihren großen, grünen, klaren, klugen und wissenden Augen. Ich fühlte, wie ihr weiser Blick in die tiefsten Winkel meiner Seele drang. Ungemütlich wurde mir zumute, Unsicherheit, ja, sogar Scham stiegen in mir auf. Mir kamen all die unguten dunklen Stellen und Schatten in den Sinn, die sie nun wohl erforschen mochte…

… Dann blinzelte sie ganz langsam und deutlich mit beiden Augen und begann, sanft und in ebenmäßigem Rhythmus zu schnurren. Ein großer Stein fiel mir vom Herzen. Sie liebt mich, dachte ich voller Erleichterung, meine Smokey liebt mich, also kann ich kein gar so schlimmer Mensch sein…

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