Meine felllosen Sklaven…

… rufen mich „Babe“, obwohl ich als hochwohlgeborene, lupenreinrassige Katzenprinzessin natürlich einen anderen, einen ganz, ganz langen Namen mit „von“ und „zu“ habe. Aber ich vermute mal, dass sich den die Zweibeiner nicht merken können. Die können manchmal ganz schön begriffsstutzig sein – ähem – so was sagt man als edle Prinzessin natürlich nicht…

… Aber eigentlich habe ich keinen Grund, mich zu beschweren. Meine zwei felllosen Sklaven tun schon alles, um mir ein möglichst schönes und angenehmes Leben zu machen. An schönen Tagen werde ich zum Beispiel mit meiner eigenen Zweiradkutsche in den Englischen Garten gefahren…

… Dort darf ich mir dann ganz behaglich die Sonne auf den schönen, seidig weichen Pelz scheinen lassen…

 

… Ich werde auf den Sklavenschultern spazieren getragen…

… Auf gemaunzten Befehl werde ich mit Schleckerlis verwöhnt…

… Nur die großen schwarzen Flatterviecher sind immer so respektlos, sie hüpfen in meiner Nähe hin und her und lachen mich aus. Bis ich wütend werde, und Jagd auf sie mache – doch die Biester sind immer so schnell weg – fliegen müsste man können, dann würde ich diesem Federvieh das Fürchten lehren!…

 

Die Fischerin vom Bodensee…

… So wird sie scherzhaft von den Boots- und Yachtbesitzern des Lindauer Hafens genannt. Ob sie einem bestimmten Menschen zugetan ist, kann niemand sagen. Wahrscheinlich ist sie eine heimatlose, halbwilde Streunerin, die einmal hier, einmal da Unterschlupf findet. Regelmäßig stellt sie sich an der Mole ein, wenn sich das glimmende Rund der Sonne anschickt, im bleifarbenen See zu versinken. Geduldig kauert sie sich ans Ende des metallenen Stegs und beobachtet überaus konzentriert die Fische, wie sie an der Wasseroberfläche nach den tief tanzenden Mücken schnappen. Wagt sich eines dieser schwimmenden Wesen ein wenig zu weit aus dem schützenden Nass, dann fährt plötzlich blitzschnell und wie aus heiterem Himmel eine mit messerscharfen Krallen bewehrte, den sicheren Tod bringende Katzenpranke nieder. Voller Stolz über die geglückte Jagd wird die Beute dann gepackt und in ein dunkles, sicheres Versteck getragen. Mag sein, daß dort ihre Jungen schon voller Sehnsucht auf einen Leckerbissen warten…

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