Einen Ausflug im Park…

… machte diese kapriziöse Schönheit. Sie war sehr gesprächig, umgänglich und vor allem am emsig herumflatternden kleinen Federvieh interessiert. Zum Glück hielt ihre Zweibeinerin sie an der Leine, so kam keiner der niedlichen Piepser zu Schaden…

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Einen lustigen, bepelzten Gesellen…

… traf ich neulich, als ich auf Wanderschaft war. „Komm, leg‘ dich ein wenig zu mir!“, schnurrte er mir zu. „Lasst uns zu Zweit die Wärme der Straße genießen.“ Und schlangengleich wand er sich auf dem sommerheißen Pflaster hin und her. Ich lachte ihm zu: „Mein lieber Freund, das dauert Stunden, bis ich erst einmal da unten bei dir bin, und danach würde ich wohl nicht mehr auf die Beine kommen.“ – „Wie schade!… Dann kraul‘ mir doch bitteschön wenigstens ein bisschen den Bauch.“, erwiderte der bepelzte Geselle und drehte sich einladend auf den Rücken…

Nach langer Wanderung…

… waren mir die Beine so schwer, der Rucksack zerrte unsanft an Nacken und Rücken, und mein Ziel schien noch so unendlich weit, obwohl nur mehr wenige hundert Meter entfernt. Dann sah ich dich, und beim Blick in deine herrlichen bernsteinfarbenen Augen schöpfte ich neue Kraft und Zuversicht, und mit deinem Bild in meinem Herzen ging ich locker ausschreitend dem Ende meiner Reise entgegen…

Meine felllosen Sklaven…

… rufen mich „Babe“, obwohl ich als hochwohlgeborene, lupenreinrassige Katzenprinzessin natürlich einen anderen, einen ganz, ganz langen Namen mit „von“ und „zu“ habe. Aber ich vermute mal, dass sich den die Zweibeiner nicht merken können. Die können manchmal ganz schön begriffsstutzig sein – ähem – so was sagt man als edle Prinzessin natürlich nicht…

… Aber eigentlich habe ich keinen Grund, mich zu beschweren. Meine zwei felllosen Sklaven tun schon alles, um mir ein möglichst schönes und angenehmes Leben zu machen. An schönen Tagen werde ich zum Beispiel mit meiner eigenen Zweiradkutsche in den Englischen Garten gefahren…

… Dort darf ich mir dann ganz behaglich die Sonne auf den schönen, seidig weichen Pelz scheinen lassen…

 

… Ich werde auf den Sklavenschultern spazieren getragen…

… Auf gemaunzten Befehl werde ich mit Schleckerlis verwöhnt…

… Nur die großen schwarzen Flatterviecher sind immer so respektlos, sie hüpfen in meiner Nähe hin und her und lachen mich aus. Bis ich wütend werde, und Jagd auf sie mache – doch die Biester sind immer so schnell weg – fliegen müsste man können, dann würde ich diesem Federvieh das Fürchten lehren!…

 

Weiße Schönheit…

Die Katze

Komm, schöne Katze, und schmiege dich still

An mein Herz, halt zurück deine Kralle.

In dein Auge ich träumend versinken will,

Drin Achat sich verschmolz dem Metalle.

Wenn meine Hand liebkosend und leicht

Deinen Kopf und den schmiegsamen Rücken,

Das knisternde Fell dir tastend umstreicht

Sanft, doch berauscht vor Entzücken,

Dann seh‘ ich sie. Und ihres Blickes Strahl

Er scheint dem deinen, schönes Tier, zu gleichen,

Ist tief und kalt, scharf wie geschliffner Stahl,

Und feine Düfte fühl‘ ich zitternd streichen,

Gefährlich süßen Hauch, der gluterfüllt

Den weißen Leib von Kopf zu Fuß umhüllt.

Charles Baudelaire

1821-1867

 

Die Müßiggängerin…

… „Hmmmmm, ist das herrlich, in der wundervoll milden Sommersonne zu dösen! Und sooooo gesund! Einfach die Welt ringsum vergessen, sich entspannen, lang machen, die Krallen einziehen, die grün glänzenden Edelsteinaugen schließen, und das Köpfchen auf die Samtpfoten legen. Lass die anderen, die mit den zwei Beinen und ohne Fell rasen, hetzen, sich plagen, gieren, sich bekriegen, fahrig werden vor Nervosität, Stress und Existenzangst. Über dergleichen ist eine echte Katze von Welt doch so weit erhaben. Wir sind die wahrhaft Zivilisierten! Wir wissen um die Kunst zu leben, wir wissen, wie man voller Andacht genießt, wie man Geduld und Muße perfektioniert, sich voller Charme und ohne Mühe in die Herzen zweibeiniger Wesen schmust und schnurrt und das Leben zelebriert, Tag um Tag. Lernt von uns, es lohnt sich.“…

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Die Strandkatze von Cocoa Beach…

… Der aufkommende Ostwind wühlte in den Wassern des sanft anbrandenden Atlantiks und zerrieb die lotrecht in den Himmel ragende Spur aus Rauch und Dampf. Langsam trieben die mit Fernrohren, Feldstechern und Kameras mit dicken Teleobjektiven bewaffneten Menschenmassen auseinander. Die fühl-, ja, sogar riechbare Erregung und Ergriffenheit der Zuseher war unterlegt mit einem feinen Hauch von Trauer und Bedauern…

… „Jetzt hat sie zum letzten Mal ihren Feuerritt ins All gemacht, die gute, alte ‚Atlantis‘.“, murmelte ein schmerbäuchiger, stiernackiger Mann. Seine Frau, kleine, sehr feine Löckchen umgaben ihr Haupt einem Heiligenschein gleich, nickte mit zusammen gepressten Lippen. Sie griff nach dem Taschentuch in den Tiefen ihrer Strandhose, und wischte sich mit dem Schweiß zugleich eine Träne aus dem Augenwinkel…

… Purrley, die sich während des mit Worten nicht zu beschreibenden, wuchtigen Grollens und Donnerns der Rakete, welches sogar etliche Kilometer entfernt die Erde erbeben ließ, tief in ihr Versteck in einem undurchdringlich wuchernden Gebüsch nahe des Strandes verkrochen hatte, maß die Zweibeiner, die ihr nun die breiten Rücken zu wandten und davon stapften, mit einem sinnenden, leicht arroganten Blick. Sie schlüpfte aus ihrem Versteck, dehnte und streckte sich hingebungsvoll und wohlig gähnend, dann setzte sie sich in den warmen Sand, um mit klaren, klugen, saphirblauen Augen das Spiel der Wellen und der übermütig kreischenden Kinder zu beobachten…

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Gut getarnt…

… Schon als junges Miezchen fand die kleine Isabella, eine der halbwilden Haus- und Hofkatzen in den wunderschönen Gärten der Villa d’Este inmitten Tivolis, ihre Mutter Graziella nachahmend heraus, daß sie förmlich mit den knorrigen, gefurchten Wurzeln einer betagten, hoch aufragenden Pinie verschmolz, und so gut wie unsichtbar wurde, wenn sie sich in deren Wiege schmiegte. Ungezählte Touristen strebten, bummelten, hasteten Tag für Tag an ihr vorbei, die meisten bemerkten sie nicht. Nur manchmal blieb ein besonders aufmerksam um sich blickendes und alle Eindrücke förmlich in sich aufsaugendes Menschenkind stehen, mit einem warmen und liebevollen Lächeln die kleine, tief und fest schlummernde Mieze sacht umfangend, ohne sie zu stören…

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